aus demGottesdienst
zur
Wiedereinweihung des spätgotischen Marienaltars im
Kirchensaal der St. Marienkirche zu Marienberg am Freitag,
dem 06.04.2001,
19.30 Uhr (Pfr. Herrig)
[ Vorwort
| Geschichte | Dank | Predigt
]
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Wir sind hier zusammen gekommen um unseren
restaurierten spätgotischen Schnitzaltar wieder in Gebrauch zu nehmen.
... Heute sollen seine Flügeltüren wieder geöffnet werden. Wir wollen
Gott und den Menschen Dank sagen für dieses Schmuckstück. Und wir
wollen Gott um seinen Segen bitten, dass dieser Altar wieder dazu
dienen möge, Jesus Christus in unserem Herzen groß zu machen. |
Dieser
geschnitzte Altar mit der figürlichen Darstellung der
Mutter unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Jungfrau Maria, der
heiligen Apostel Petrus und Paulus, umgeben von Darstellungen des
Leidensweges Jesu Christi, soll unsere Gemeinde und alle Besucher
dieses Gotteshauses erneut daran erinnern, dass Gott bei seiner Kirche
ist. Er soll die Herzen für die Gegenwart Gottes öffnen und er soll ein
Ort des Gebetes, ein Ort der Begegnung zwischen Gott und Menschen
werden. | |
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Hört Worte
aus dem 26. Psalm:
Ich halte mich, HERR, zu deinem Altar, dir zu danken mit
lauter Stimme und zu verkündigen alle deine Wunder.
HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da
deine Ehre wohnt. [Bibel: Psalm 26, 6b-8]
Einweihungsgebet:
Wir danken dir, allmächtiger ewiger Gott, dass wir zu dir kommen
dürfen, weil du zu uns kommst. Wir bitten dich: Gib allen,
die an diesem Altar zu dir beten und hier das heilige Abendmahl feiern,
Gemeinschaft in Christus, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit.
Schenke denen, die hier ihre Sünden bekennen, Gewissheit der Vergebung.
Sei mit deiner ganzen Gemeinde, die hier gesegnet wird.
Erhöre uns, wenn wir beten, loben und danken. Das bitten wir
durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.
Liebe Gemeinde, über
sechs Jahre ist es her, dass unser Schnitzaltar, der heute wieder in
neuem alten Glanz erstrahlt, von diesem seinem Ort im Kirchensaal, der
Winterkirche der St. Marienkirche entfernt wurde. ... Immer
größer werdende Schäden an der Bemalung und am Holz machten es nötig,
ihn an einen Ort zu stellen, wo die Luft weniger trocken war - in die
Sakristei. ...  Wie
sah der Weg unseres Altars aus, bis
er in der Sakristei verschwand? Und wie kam er dort heraus
und wieder an seinen Platz im Kirchensaal? Die Marienberger
Geschichte des Altars beginnt 1728, als der Patronatsherr von
Lengefeld, ein Herr von Römer auf Rauenstein, anlässlich der Erneuerung
der Lengefelder Kirche den alten Altar der Marienberger Grabkirche, oft
auch Hospitalkirche genannt, vermachte. Wann und wo
er hergestellt wurde und
seit wann er in Lengefeld stand, wissen wir nicht. Die
Schätzungen der Fachleute weisen auf eine Entstehungszeit um 1500. Der
Stil ist spätgotisch. Angeblich soll er aus der Werkstatt
eines Freiberger Meisters stammen. Andere ordnen die Malerei auf den
Altarflügeln dem fränkischen Raum zu. Mehr wissen wir nicht.
In der Marienberger Grabkirche stand der Altar bis 1892.
Damals sollte die Grabkirche umgebaut werden. Daraus wurde nichts, denn
sie wurde Opfer eines Brandes. Glücklicherweise war der Altar
zuvor schon fortgeschafft worden. In der Marienberger
Häuserchronik und Flurgeschichte von Paul Roitzsch ist die Rede davon,
dass er sich seitdem in der Stadtkirche St. Marien befand. Dokumente
über Konservierungsmaßnahmen an den Altarflügeln im Jahre 1938 weisen
aber aus, dass der Altar damals zum Bestand des Altertumsmuseums
Marienberg gehörte. Vermutlich hat er erst seit dieser Zeit seinen
Platz in unserer Kirche. Der Altar befindet sich
schon lange
nicht mehr in seinem originalen Zustand. Im 19. Jahrhundert
wurde die farbliche Gestaltung der Figuren erneuert.
Vermutlich dann schon im 20. Jahrhundert wurden fehlende Zacken an der
Krone Marias und die Schleierbretter ergänzt und mit Goldbronze
überstrichen. Auch die Figuren und Gemälde wurden teilweise übermalt.
Wir wissen nicht, seit wann der Maria das Christuskind fehlte. Bei der
Vorbereitung der Restaurierung war es sogar zeitweise umstritten, ob
sie überhaupt ein Kind auf dem Arm hatte. 1964 fertigte der
Marienberger Schnitzmeister Rudolf Kunis ein neues Christuskind. - Wir
freuen uns, dass dieses Christuskind einen neuen, passenden
Farbanstrich erhalten hat und wieder mit im Altar stehen darf. Das war
unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchaus umstritten.
- So stand der Altar bis 1994 im Kirchensaal und seitdem in der
Sakristei. Auf
einem langen Weg von 1997 bis in
dieses Jahr hinein konnte die dringend notwendige Konservierung des
Altars vorbereitet und nun auch erfolgreich abgeschlossen werden.
Dass
das möglich wurde, danken wir den Bemühungen von Pfr. Kändler, der
wohlwollenden Unterstützung durch das Landesamt für Denkmalpflege und
die Untere Denkmalschutzbehörde, den umfangreichen Voruntersuchungen
durch die Restauratorin Susanne Göschel, jetzt Freiberg, sowie der
sorgfältigen und engagierten Arbeit der Restauratorin Sylvia
Ciesielski, Burkhardtswalde, die unter persönlich schwierigen
Bedingungen den Altar fertig gestellt hat... Der Dank ist
aber an dieser Stelle fortzusetzen mit dem Dank an die Geldgeber: der
Freistaat Sachsen durch das Regierungspräsidium Chemnitz und die
Deutsche Stiftung Denkmalschutz. In die Förderung sind auch
private Sponsorengelder eingeflossen, wofür wir besonders dankbar sind;
denn zu den Zeiten des Baustopps an St. Marien wäre die
Altarrestaurierung sonst nicht genehmigt worden...
Stellvertretend auch für alle Anderen ... unseren Dank an Frau
Ciesielski, die Restauratorin... |  der geschlossene Altar zeigt die vier Apostel |
Also einen
herzlichen
Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass wir heute hier vor
diesem schönen Altar sitzen können! Predigt: Die
Gnade unseres Herrn
Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen
Geistes sei mit euch allen. Liebe Gemeinde,
uns moderne Menschen, zudem uns Evangelischen, die wir uns als Kirche
des Wortes verstehen - was kann uns ein Marienaltar aus dem späten
Mittelalter bedeuten?
Zudem, wenn
er nicht Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt, sondern seine Mutter
Maria, mit Krone auf dem Haupt und mit Gold bekleidet? Dazu die
Apostel, ausgerüstet mit überdimensionalen Insignien: dem Schlüssel und
dem Schwert? Spricht uns in einer solchen Darstellung noch
mehr an als die Kunstgeschichte? Kann uns diese Darstellung
zur Anbetung Gottes führen? - Manche von uns werden
wahrscheinlich innerlich diese Fragen mit Nein beantworten. Und
zugleich werden sie erwarten, dass ich diese Fragen jetzt mit einem Ja
beantworte. Es ist ein bedingtes Ja. Denn ich kann niemandem
vorschreiben, welche Darstellungen jemanden in seinem Herzen erreichen.
Aber ich persönlich möchte mich gern in den nächsten Wochen, Monaten
und Jahren immer wieder in die Figuren und Bilder dieses Altars
vertiefen und so auf eine Entdeckungsreise zum Glauben unserer
Vorfahren gehen. Was ich heute sagen kann, das verdankt sich
noch nicht einer solchen Reise, denn ich hatte noch kaum Gelegenheit
den Altar wirklich auf mich wirken zu lassen. Es sind nur ein
paar erste Gedanken, die mich und vielleicht auch manchen Anderen
weiter führen können in der Betrachtung. Ich möchte
nicht bei der
Maria in der Mitte beginnen, sondern auf den Flügeln des Altars, und
zwar auf den Außenflügeln. Die haben wir in den letzten Wochen schon
betrachten können, denn der Kirchensaal war ja auch unser
Gottesdienstraum. Da haben wir mehr oder weniger deutlich vier
Gestalten erkannt: die vier Evangelisten: Lukas und Matthäus
links, Markus und Johannes rechts. Wenn der Altar geschlossen
ist, dann erinnern sie uns daran, dass unser Glaube auf Glaubenszeugen
angewiesen ist. Das Evangelium braucht Evangelisten. Jeder
von ihnen ist anders dargestellt, denn jeder von ihnen ist anders, und
jeder von ihnen stellt das Evangelium von Jesus Christus anders dar.
Jedem von ihnen ist in der Begegnung mit Jesus Christus etwas Anderes
aufgegangen. Gemeinsam geben sie ein vierfaches Zeugnis, das
sich in unseren Glaubenszeugnissen vielfach bricht und zusammenfließt
in der Einheit des christlichen Glaubens und der christlichen Kirche.
Die
Innenseite der Altarflügel stellt auf vier Tafeln den Leidensweg Jesu
Christi dar: so wie ihn alle vier Evangelisten ganz ähnlich
berichten.  Links oben: Jesus im
Garten Gethsemane. Er betet, Gott möge den Kelch des Leidens an ihm
vorüber gehen lassen, aber nicht der menschliche Wille Jesu, sondern
der göttliche Wille des himmlischen Vaters soll sich erfüllen, und so
geht Jesus den Weg des Leidens und des Kreuzes. Links
unten ist seine
Geißelung, seine Auspeitschung dargestellt. Die Bosheit der Menschen,
ihre teuflische Freude am Leiden des gerechten Gottessohnes kommt hier
zum Ausdruck. Aber Jesus hat in diesen Weg eingewilligt. Es ist der Weg
des Menschen zu Gott, weil es der Weg Gottes zu den Menschen ist.
Rechts
unten sehen wir, wie Jesus diesen Weg geht. Er trägt das Kreuz für die
Menschen, die seiner spotten anstatt selbst ihr Kreuz zu tragen. Jesus
nimmt den Menschen die Last ihres Lebens ab, und die Meisten merken es
nicht einmal.  Und schließlich führt
ihn dieser Weg selbst ans Kreuz und in den Tod. Jesus
Christus litt unser Kreuz, starb unsern Tod. Das
ist die Botschaft
des Evangeliums. Selbst im katholischen Mittelalter, kurz vor der
Reformation, war diese Hauptaussage des Evangeliums noch bewusst.
Weniger bewusst war nur, wie uns Jesu Kreuz, Leiden und Pein zugute
kommen. Allein durch den Glauben sagten die Reformatoren. Durch unsere
Verdienste und, wo diese nicht ausreichen, durch die Verdienste der
Heiligen. Deshalb stehen die drei vornehmsten
Heiligen, die
Gottesmutter Maria, sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus, in der
Mitte des Altars. Ihr Glaube und ihre Fürbitte bei Christus sollen den
Menschen den Weg zu ihm bahnen. Sie standen Jesus am nächsten. Deshalb
so glaubte man, hatten sie den meisten Einfluss bei ihm.
- Ich
möchte den Dreien heute eine andere Bedeutung abgewinnen: Sie nehmen
uns, die wir vor diesem Altar beten, mit hinein in die Gemeinschaft der
Heiligen, die wir in jedem Gottesdienst bekennen. Damit ist die ganze
Kirche Jesu Christi gemeint, diejenigen, die auf Erden täglich den
Kampf des Glaubens kämpfen, und diejenigen, die bei Gott vollendet sind.
Maria,
Petrus und Paulus gehörten zu den ersten, mit denen die Kirche, die
Gemeinde Jesu Christi, begann: Maria, die Gottes
Verheißung glaubte, noch ehe davon irgendetwas wahrzunehmen war, und
die nach Ostern zu finden ist im Kreise der Apostel Jesu. Sie ist
gleichsam die Mutter der christlichen Kirche. Petrus,
der dem Ruf Jesu
folgte, weg von den Fischerbooten, um Menschenfischer zu werden; der
als erster bekannte: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen
Gottes", und dem Jesus sagte: "auf diesen Felsen will ich meine
Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht
überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben."
Petrus, der schwach wurde und Jesus verleugnete, und den Jesus stark
machte ihn zu bezeugen bis in den Tod. Ohne Petrus wäre die kleine
Gemeinde Jesu in den ersten Jahrzehnten nicht zur großen Kirche
geworden. Und Paulus, als letzter Apostel berufen,
der vom
Verfolger der Christen zu ihrem größten Missionar wurde; der sein Leben
daran setzte, so vielen wie möglich die rettende Botschaft vom Tod und
von der Auferstehung Jesu Christi zu bringen; der Kämpfer mit dem
Schwert des Heiligen Geistes - ohne ihn gäbe es nicht die
Kirche aus Juden und Heiden, wo in Christus alle gleich sind.
-
Maria, Petrus und Paulus - das sind die ersten Repräsentanten der
großen Gemeinschaft der Christen, der wir alle bis heute angehören. Sie
sind gewissermaßen die ersten, die zur Familie Jesu gehörten.
So wie wir es in der Evangelienlesung gehört haben: Wer Gottes Willen
tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
- Wenn
wir heute vor diesem Altar Gottes Wort hören, zu ihm beten und seinen
Willen tun, dann sind wir als Brüder, Schwestern und sogar als Mütter
Jesu Glieder der großen Familie Jesu Christi. Ich
wünsche uns, dass
dieser Altar viele hineinführt in die Gemeinschaft mit Jesus Christus.
Lied: Ich lobe dich von
ganzer Seelen 250,1.5 Glaubensbekenntnis
Allmächtiger, gütiger Gott, wir danken dir, dass du uns hineinnimmst in
die ewige Gemeinschaft mit dir. Dafür ist dein Sohn Jesus Christus als
Mensch unter uns gewesen. Dafür hat er gelitten, wurde gekreuzigt und
ist auferstanden. Das haben Generationen von Christen geglaubt und
bezeugt. So nimm auch uns immer neu auf in deine
Gemeinschaft, wenn wir zu dir kommen, zu dir beten, nach deinem Willen
fragen, auf dein Wort hören und danach tun. Wir danken dir,
Gott, dass Altäre und Gotteshäuser Hilfe sein wollen zu dir zu finden.
So danken wir dir auch für die Restaurierung dieses Altars und bitten
dich darum, dass vor diesem Altar und in diesem Gotteshaus Glaube an
Jesus wächst und Gemeinde Christi gebaut wird. Durch ihn,
deinen lieben Sohn, unseren Herrn und Bruder. Mit
seinen Worten beten wir ...das
Vaterunser ...
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2007 Ev. Luth. Kirchgemeinde Marienberg |
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