1521 wurde die Stadt
Marienberg gegründet. Im April 1558 wurde der Grundstein der
Kirche gelegt. Dazu wurde die im Reformationsjahr 1537 für die
evangelischen Christen errichtete Blockhauskirche entfernt. St.
Marien ist die jüngste der 3 erzgebirgischen spätgotischen
Hallenkirchen nach St. Wolfgang in Schneeberg und St. Annen in Annaberg. Im
Februar 1564 war Kirchweihe als Evangelisch - Lutherische St.
Marienkirche. Das Haupthaus
ist 45m lang und 26m breit, hat 3 gleichhohe Schiffe und 7 Joche. Baumeister
war Wolf Blechschmidt aus Pirna (Er prägte wesentlich den Bau der
Kirche St. Marien in Pirna). Die Turmhallen
zeigen Blechschmidts noch erhaltenes spätgotisches Rippengewölbe. AIs
Baumaterial diente Grillenburger, vielleicht auch
Postelwitzer Sandstein. In der ehemaligen Taufkapelle befindet
sich eine für Blechschmidt charakteristische freie Rippe mit
Bildniskopf. In der linken Turmvorhalle sind neben Blechschmidt´s
Steinmetzzeichen wohl Kurfürst August und seine Gemahlin Anna
abgebildet, die den Bau reich beschenkten. Hier finden sich auch noch
weitere Steinmetzzeichen. Am 31. August 1610 zerstörte der
größte Brand von Marienberg Stadt und Kirche. Von 1611 - 1616 wurde die
Kirche zeitweilig durch Holzdecken, Holzsäulen und Holzemporen
erneuert. 1616 konnten hier wieder Gottesdienste gefeiert
und das Triumpfkreuz aufgestellt werden, 1617 folgte der Altar.
Die Altarbilder schuf
der kurfürstliche Hofmaler Chilian Fabritius in italienisiertem Barock.
Auf dem Halfter des Esels ist zu lesen: "DAMNARE POTEST QUI
MELIORA FACIT" (Tadeln darf, wer's besser leistet). Auf dem Halsband
des Hundes erscheint die Jahreszahl 1616. In der Predella ist das
Heilige Abendmahl dargestellt. Der Altaraufbau zeigt die Grablegung
Jesu. In den Seitenmedaillons sind Motive der Verkündigung der
Geburt Jesu zu sehen.
2 Jahrzehnte nach dem Ende des
30jährigen Krieges baute 1668 -1675 die inzwischen arme Stadt mit Hilfe
einer landesweiten Spende Dach, Barockgewölbe und 3 Seiten der Empore.
Die Leitung hatte der kurfürstliche Kammerrat von Klemm (1674 hier
beerdigt). Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel schickte
italienische Stukkateure unter der Leitung von Alexandro Pernasione aus
Dresden nach Marienberg, die die toskanischen Stuckmotive und die 25
wunderbaren Engelsköpfe am Halbrund der steinernen Empore gestalteten. Erst
1879 wurde der steinerne Emporenring durch die Orgelempore geschlossen;
die hier gestalteten Gesichter wirken ganz anders.
Die
Orgel
baute 1872-1879 der Meister Carl Eduard Schubert in der Bauweise
Silbermann´s. Sie ist eine ausgezeichnete mechanische Orgel
mit 51 klingenden Registern auf 3 Manualen und Pedal mit 3158 Pfeifen.
Die
Kanzel
von etwa 1620 ist eine gute, wohlbedachte Spätrenaissancearbeit mit
schönem Fuß. An der Kanzeltreppe findet man Lederornamentik barocker
Art. Der Schalldeckel von 1896 trägt die lateinische Aufschrift: "QUI
EX DEO EST VERBUM DEI AUDIT Johann 8" (Wer aus Gott kommt, vernimmt
Gottes Wort).
Der Anna - selbdritt - Altar
stammt aus der Fabian - Sebastian - Kapelle. Diese entstand kurz nach
der Stadtgründung in der Nähe vom Zschopauer Tor. Der Altar zeigt in
den Seitenflügeln die Schutzheiligen des Bergbaus Barbara und
(wahrscheinlich) Katharina. Sie sind ausdrucksvolle, realistische
Holzplastiken eines unbekannten Meisters um 1520. Die Außenbemalung mit
den Schutzheiligen Fabian und Sebastian ist fast völlig zerstört. Der
Taufstein
aus Crottendorfer Marmor aus dem Jahre 1860 ist die Spende eines nicht
genannt werden wollenden Gemeindegliedes.
Die 7 farbigen Fenster
wurden 1896 von der Zittauer Firma Türcke gefertigt. In
diesem Jahr erfolgte eine grosse Renovierung und farbliche
Neugestaltung des Kirchenschiffes nach Plänen Quentins. Sie wurde im
Februar 1897 fertiggestellt. Im Jahre 1954 wurde diese mit
grauem Farbton übermalt.
| Die farbigen
Fenster zeigen
Mose, der Gottes Gebote zu seinem Volk bringt; die Ge- stalten und
"Autoren" des alten Testaments; die Jünger Jesu; die
Bergpredigt Jesu.
Umrahmt werden diese Bilder von Motiven der unterschied- lichen Baustile
unserer Kirche. Das
Fenster
hinter dem Altar, das "Ratsfenster",
zeigt u.A. die Stadt
Marienberg unter dem Regenbogen
Gottes, darüber Jesus als Welten- richter mit den
Füßen auf der Erdkugel) | Das 1924 aufgestellte Ehrenmahl für
die Gefallenen des ersten Weltkrieges schuf der Chemnitzer Künstler
Ziegler; in dessen Auftrag gestaltete Herr Bochmann die Holzplastiken.
Dem Anfang des 16. Jahrhunderts
entstammt der Altar im Kirchensaal. Im
April 2001 konnte er restauriert wieder aufgestellt werden.
Nach
Gründung des Förderverein´s zur Rettung der Kirche 1991 konnte 1992 bis
1996 das Kirchendach völlig erneuert, der Turm instandgesetzt und das
Portal restauriert werden. Bis zum Jahr 2005 wurden Aussenfassade,
"Ratsfenster" hinter dem Altar wie auch die anderen buntverglasten
Bleifenster des Chorraumes und der Seitenschiffe, die original
erhaltenen Seitenkapellen, die Sakristei und der vordere Innenbereich
der Kirche nach dem Quentin´schen Vorbild (farbliche Gestaltung von
1897) restauriert. Im Jahr 2006 wurden die verbleibenden
Fenster sowie die Orgelempore erneuert und der Hauptaltar restauriert;
2007 wurde die Sanierung des Kirchenschiffes abgeschlossen. Im
Jahr 2008 erfolgte die Restaurierung der Eingangshalle und des
Kirchensaales, neues Linoleum nach historischem Vorbild konnte in
Kirche und Kirchensaal verlegt werden. Der Emporenzugang
zeigt im unteren Bereich wieder die ehemalige Doppelwendeltreppe und
wurde durch eine moderne Treppe nach oben ergänzt. Im
September 2008 konnte 450-jähriges Jubiläum der Grundsteinlegung für
St. Marien in einer vollständig restaurierten Kirche gefeiert werden. Die
Gesamtinvestition aus Spenden, den Förderprogrammen der Stadt
Marienberg und der Deutschen Sparkassenstiftung, sowie Mitteln unserer
Ev.-Luth. Landeskirche beträgt ca. 6,5 Millionen Euro. Die
Orgel von Carl-Eduard Schubert, eine hervorragende historische Orgel,
soll nach Erntedank 2010 in mehreren Zeitscheiben eine grundlegende Instandsetzung erfahren.
Der Förderverein für
St. Marien und Kirchgemeinde haben im Zeitraum 2005 bis 2008 die
Stiftungsaktion "100 Euro für St. Marien" ins Leben gerufen. Jeder der
einhundert Euro oder mehr stiftete, wurde in das Stifterbuch unserer
St. Marienkirche eingetragen und erhielt neben der Spendenbescheinigung
eine Stifterurkunde.
Der Förderverein zur Rettung der
St.Marienkirche e.V. konnte im November 2008 seine Arbeit
erfolgreich beenden. Der Förderverein zum Erhalt der
St.Marienkirche hat die Arbeit aufgenommen. Für den
zu erbringenden Eigenanteil an der Gesamtinvestition sind wir auch
weiter auf Ihre Spendenbereitschaft angewiesen.
Bitte
helfen Sie mit unser Gotteshaus zu erhalten und zu erneuern.
Die Kirche ist gleichzeitig
Gemeindezentrum. Seit 1996 ist sie regelmäßig zu Andacht und
Besichtigung geöffnet. |