Der Orgelbauer Carl
Eduard Schubert Carl
Eduard Schubert
wurde am 31. Oktober 1830 in Halsbrücke bei Freiberg (Sa.)
geboren.
Nach der Schulzeit erlernte er das Tischlerhandwerk. Bei
Orgelbaumeister Urban Kreutzbach (Borna) arbeitete er als
Tischlergeselle und absolvierte eine Lehre als Orgelbauer. Er besaß
außergewöhnliche Fähigkeiten in der Klanggestaltung. Nach etwa einem
Jahr Lehre machte sich C.E. Schubert selbständig. Er heiratete 1857 in
Asch und richtete sich, ...weil
es eine billige Gegend war, im vogtländischen
Adorf Wohnung und Werkstatt ein. Schubert baute seine erste
Orgel im böhmischen Roßbach (Hranice). Das Werk, 30 Register auf 2
Manualen und Pedal, wurde im August 1860 eingeweiht. C.E. Schubert
erhielt viel Lob und Anerkennung für sein Opus 1, das er ...streng
nach Silbermanns Vorschrift baute. Daraufhin bekam
er Orgelneubau-Aufträge für die Kirchen in Greiz, Bösenbrunn, Adorf,
Erlbach, Rödlitz, Herold, Wildenfels und Werda. Unter den
deutschen Orgelbauern herrschte im 19. Jahrhundert große Konkurrenz. Um
billige Orgeln anbieten zu können, stellten viele Orgelbauer Orgelteile
und Pfeifen fabrikmäßig her. Schubert schrieb dazu:
... mir war der Zweck der Orgel
zu würdig und zu erhaben, als daß ich mich eines solchen Verfahrens
hatte anschließen können. Obwohl er
technisch und klanglich hervorragende Arbeit leistete, hielt Schubert
seine Kostenvoranschläge sehr niedrig, um Aufträge zu bekommen. Viel
Zeit investierte C.E. Schubert in technische Vollkommenheit der
Orgelmechanik und in die künstlerische Intonation der Pfeifen. Die
Folge waren terminliche Verzögerungen und daraus resultierende
wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1868 zog Schubert mit seiner
Familie nach Chemnitz. Die Arbeiten am Neubau einer großen
dreimanualigen Orgel für die Chemnitzer Schloßkirche waren sein
wirtschaftlicher Ruin. Hausrat und Werkstatt wurden 1876 gepfändet.
Schubert hatte keine Bleibe mehr und wurde zu einem Wander-Orgelbauer.
Er wohnte immer dort, wo er Arbeit gefunden hatte. Jetzt zog er
zunächst mit seiner Familie nach Marienberg, um dort seine 1872
angefangene große Orgel, zu vollenden. Sie wurde 1879 fertig und
eingeweiht. Später wohnte er in Dresden und in anderen Orten. Immer
weniger Aufträge bekam er, weil er es kategorisch ablehnte, alte Orgeln
zu modernisieren. Unbeirrt hielt er an der mechanischen Schleiflade
fest. In Reichenbach (Vogtl.) lebte er als Almosenempfänger.
Enttäuscht und lebensmüde wählte C.E. Schubert am 11. Januar 1900 in
Reichenbach den Freitod. Bis an sein Lebensende hielt Schubert an der
SiIbermanntradition des Orgelbaus fest.
... mein Gewissen verbot mir,
mich der Fabrikorgel zuzuwenden. Insgesamt hat Carl
Schubert 18 neue Orgeln gebaut und viele historische Instrumente vor
dem Abriß, Verfall oder Umbau gerettet. 
Das Klangbild der Orgeln
Carl Eduard Schuberts Die im Original
erhaltenen Orgeln Schuberts sind in der Regel grundtöniger angelegt,
als die Orgeln vergleichbarer Größe Gottfried Silbermanns. Das Register
"Bordun 16´" im Hauptwerk baute Schubert schon bei relativ kleinen
Orgeln. Im Klangbild der Prinzipale und Mixturen finden sich zu
Silbermann kaum Unterschiede. Die Registerpalette bei den Streichern
ist bei Schubertorgeln reicher und vielfältiger als bei Silbermann.
Schubert baute Register, die Silbermann offenbar so nicht kannte, wie
z.B. Hohlflöte 8´; Salicional 8´; Flauto dolce 4´; Dolcissimo 8´;
Fugara 8´ und Cello 8´(Pedal). Auffallend ist auch, daß Schuberts
Streicher
enger mensuriert sind und somit obertonreicher klingen als
vergleichbare Register Silbermanns. Bei Schuberts zweimanualigen Orgeln
gibt es untereinander zwei Extreme: wie bei Silbermann mit Aliquoten
reich besetzte Oberwerke bei den Orgeln in Roßbach, Erlbach und
Wildenfels und Oberwerke mit nur wenigen Begleitregistern in der 8´ und
4´-Lage wie z B. in Herold, Werda und Rübenau. Die Hauptwerke haben bei
Schubert durchweg einen vollständigen Prinzipalchor. C.E. Schubert
baute zwei große dreimanualige Orgeln (Schloßkirche Chemnitz und St.
Marien Marienberg). Beide Orgeln versah Schubert mit einer
"Barkermaschine" (pneumatische Einrichtung zur Erleichterung der
mechanischen Spieltraktur). Während in Marienberg der
"Barkerhebel"
schon beim Kontrakt mit vorgesehen war, erfolgte in Chemnitz der Einbau
des Barkerhebels durch Schubert einige Jahre später.
Leider
ist die
Orgel in der Schloßkirche Chemnitz durch zahlreiche Umbauten fast total
ihrer historischen Substanz beraubt worden. 

Die große Schubert-Orgel der
St. Marienkirche zu
Marienberg
Wegen
totalen Verfalls war die 1723 von Johann Jakob Donati eingebaute Orgel
nicht mehr zu retten. Am 7. Juni 1872 Unterzeichnung des
Kontraktes
zwischen C.E. Schubert und dem Kirchenvorstand zum Neubau einer großen
Orgel mit drei Manualen und Pedal und 51 klingenden Registern (3158
Pfeifen). Beginn der Bauarbeiten schon im Herbst 1872 durch zwei
Gehilfen.
| 1874 |
kurze Unterbrechung der Bauarbeiten. |
| 1876 |
Übersiedlung der Familie Schubert nach
Marienberg.
Wegen finanzieller Schwierigkeiten Schuberts und der Kirchengemeinde
kam es immer öfter zu Bauunterbrechungen. |
| 1879 |
am 17. August, festliche Orgelweihe.
Veranschlagt
war die Orgel mit 6.200 Talern, gekostet hat sie 12.663 Taler. Bis 1899
wurde die Orgel von C.E. Schubert gepflegt. |
| 1914 |
Reinigung und Nachintonation durch die
Orgelbaufirma Jehmlich aus Dresden. Dabei Entfernung der Sesquialtera
Oberwerk und Einbau einer Aeoline 8´. Einbau eines
Elektroventilators durch die Orgelbaufirma Schmeißer aus Rochlitz. |
| 1917 |
Pflichtabgabe der Zinnpfeifen des
Orgelprospektes. |
| 1921 |
Einbau eines Zinkprospektes nach den
alten Maßen
durch die Firma Schmeißer. |
| 1931 |
Reinigung, Nachintonation und Stimmung
durch die
Firma Jehmlich, deren vorgeschlagene Pneumatisierung durch den
damaligen Organisten Kurt Pomp (V1994) verhindert wurde. |
| 1958 |
Reinigung, Entfernung der "Aeoline 8´",
Rekonstruktion der "Sesquialtera" durch die Firma Jehmlich. |
| 1990
und 1991 |
Generalreparatur der Orgel in zwei
Bauabschnitten
durch die Orgelbaufirma Georg Wünning aus Großolbersdorf. |
| 1994 |
Rekonstruktion des Zinnprospektes durch
die Firma
Wünning. |
Das Besondere der Marienberger Orgel ist
ihre
Originalität
und ihr schöner Klang im Plenum und in den
Einzelregistern. Das Hauptwerk und das Oberwerk entwickeln eine
Klangpracht, die Silbermann mindestens ebenbürtig ist. Das Brustwerk
zeichnet sich durch einmalig schön klingende Einzelregister aus. Das
Pedalwerk besitzt eine fast unheimliche Klangwirkung in den Bässen. 
Disposition
der Carl Eduard Schubert-Orgel in Marienberg
(1879) | 
|
| 1.
Hauptwerk | II.
Brustwerk | III.
Oberwerk | Pedal |
| Prinzipal 16' |
Bordun 16' | Quintadena
16' | Principalbaß 16' |
| Octave 8' |
Fugara 8' | Principal
8' | Violonbaß 16' |
| Gamba 8' |
Rohrflöte 8' | Salicional
8' | Fugarabaß 16' |
| Dolcissimo 8' |
Gemshorn 8' | Lieblich
Gedackt 8' | Subbaß 16' |
| Bordun 8' |
Quintadena 8' | Octave
4' | Quintbaß 12' |
| Quinta 6' |
Geigenprincipal 4' | Rohrflöte
4' | Oktavbaß 8' |
| Octave 4' |
Gemshorn 4' | Flauto
traverso 4' | Cello 8' |
| Spitzflöte 4' |
Flauto dolce 4' | Nasat
3' | Octavbaß 4' |
| Quinta 3' |
Cimbel 3' II | Octave
2' | Cimbel 3' II |
| Octave 2' |
Fagott 16' | Quinte
1 1/2' | Posaune 32' |
| Terz |
-Koppel OW/BW | Octave
1' | Posaunenbaß 16' |
| Mixtur 6' V |
| Sesquialtera 4/5' II |
Trompetenbaß 8' |
| Cimbel IV | | Mixtur IV |
-Koppel HW/Ped. |
| Cornett IV (ab a°) | | Oboe 8' |
|
| Trompete 8' | | |
|
| - Koppel BW/HW | | |
|
| - Koppel OW/HW | | |
|
Umfang
Manuale C-f ´´´; Pedal C-e´ KMD Karl -
Heinz Gnida 2002 |