Baustile [Quelle: "Neues Lexikon in Farbe"]
Gotik | Renaissance | Barock zurück
Stilrichtung der europ. Kunst zw. 1150
u. 1500; orientierte sich am kunsthandwerkl.-relig. Werkstättenideal
(Bauhütte) [ im MA Werkstätte für den Bau einer Kirche; seit
der Gotik Bauleuteverband mit eigener Gerichtsbarkeit u.
Lehrlingsausbildung].
Von N-Frkr. Ausbreitung über West- u. Mitteleuropa, z.T. auch
nach Italien u. Spanien; in Dtl. erst nach 1200.
Baukunst:
vorherrschend der Kirchenbau; der tradierte basilikale Typus wird
zunächst entmaterialisiert (geringere Mauersubstanz, große
Fensterflächen) u. räuml. vereinheitlicht durch Strebepfeiler
u. -bögen, schließl. durch die spätgot. Hallenkirche abgelöst;
die Norddt. Backstein--G. vereinfacht den got. Formenkanon.
Plastik: der Architektur untergeordnet als Kapitelle,
Wasserspeier, Giebelreliefs od. als Säulen-, Portal- u.
Nischenfigur; zunächst frontale u. starre, schließl.
schwungvoll bewegte frz. Gewandfigur; ab 1300 erstmals gefühlsbetonte
Freiplastiken; ab 1400 Weicher Stil [(Schöner od. Internat.
Stil), Kunstrichtung der Spätgotik zw. 1380 u. 1420; von Parlers
Schönen Madonnen ausgehend: reich gewandete, geschwungene Darst.
Mariens mit dem Kind (auch Malerei)], feingliedrige, stark
rhythmisierte Schöne Madonnen;
bed. Vertr.: H. Multscher [Hans, dt. Maler u. Bildhauer, *1400,
¤1467. Beeinfl. vom niederl. Realismus; Meister der Spätgotik.
Schnitzfiguren des Sterzinger Marienaltars (Südtirol)], T.
Riemenschneider [Tilman, dt. Bildhauer, *zw. 1455 u. 1460, ¤1531.
Bed. Meister der Spätgotik. Münnerstädter Altar Marienaltar in
Creglingen; auch Grabmäler].
Malerei: neben Glasmalerei [farbige Gestaltung von Glasfenstern,
häufig in Kombination von Ornament u. Figur. Einzeln
geschnittene Glasteile in Bleiruten gefaßt, in neuerer Zeit auch
in Beton (Betonglasfenster). Detailzeichnung mit Schwarzlot, seit
dem 16. Jh. klares Glas mit Emailfarben bemalt
(Kabinettscheiben). - Blütezeit der G. in Gotik (größere
Fensteröffnungen); mod. G. u.a. von Bazaine, Manessier, Chagall
(Mainz, Jerusalem); ab 1200 nördl. der Alpen v.a. Tafelmalerei
(H. u. J. van Eyck, M. Pacher, M. Schongauer) [im Ggs. zur
Wandmalerei nicht an die Architektur gebunden; auf Holztafeln,
Papier, Leinwand (letztere auch auf Holz aufgezogen), Elfenbein,
Kupfer o.ä.; mit Tempera-, Öl-, Kunstharzfarben od.
Mischtechnik. Bek. seit dem 2. Jh. v.Chr. (in Ägypten auch
Enkaustik); in der frühchristl. Kunst nur in Byzanz (als
Ikonen); erst ab 12. Jh. auf Altarretabeln (Goldgrund). Mit
Giotto di Bondone steigende Bed. der T. (Verwendung der
Staffelei; die größten Tafelbilder schuf Tintoretto
(Dogenpalast in Venedig).], Altar- u. Andachtsbilder; ab 1390
auch Porträts u. Ansätze von Landschaftsmalerei (K. Witz);
Zentren der Buchmalerei sind klösterl. Schreibstuben, in der Spät-G.
wird sie zunehmend höfisch bestimmt.
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(frz. = Wiedergeburt), Kulturwende, die
im Italien des 13.-14. Jh.s einsetzte.
Bereits vor ihrer Blütezeit im 15.-16. Jh. griff sie auf die
Niederlande über, später auch auf Mitteleuropa;
1) bildende Kunst: kennzeichnend für die Früh-R.: Bewußtwerden
der Persönlichkeit des Künstlers (ab Giotto, 1306); Sinn für
Natur u. wirklichkeitsgetreues Abbilden (Masaccio); konsequente
Anwendung der Zentralperspektive (Brunelleschi, Masaccio, in
Florenz ab 1420); die Hoch-R. (1500-40) offenbart vertiefte
Eigenreflexion der Künstler (Dürer, Michelangelo, Leonardo,
Raffael, Tizian) u. verstärktes Streben nach idealer Harmonie in
Farbe, Form u. Komposition; Mythol. u. allegor. Motive,
Landschaftsmalerei u. insb. das Porträt [(frz.), Portrait, 1)
Bildnis eines Menschen;
2) Schilderung des Lebens u. des Charakters eines Menschen].
ersetzten zunehmend die bibl. Szenen u. Themen der Kunst des MA;
ab etwa 1520 (Raffaels Tod) Übergang in die Spät-R. den
Manierismus [(Spätrenaissance), zw. 1520 u. 1600; neue
Bewegungsauffassung, opt. Sog der schachtartig-tiefen Räume, Ästhetisierung
komplizierter Perspektiven des Abnormen u. Expressiven;
Vorwegnahme barocker Farbauffassung; Vertr.: Raffael,
Michelangelo (Spätwerk), Tizian (Frühwerk), Rosso Fiorentino,
Bronzino, Parmigianino, G. Romano, Cellini, G. da Bologna.
Zentren: Fontainebleau, Prag (Arcimboldi), Florenz.]; in Dtl.
ging der erstmalige Einfluß der R. u. des ital.
Humanismus[(nlat.), eine von der klass. u. christl. Antike geprägte
Lebensanschauung, die vom 14.-16. Jh. in den Kreisen der
Gelehrten vorherrschte; vertrat eine von der Tradition befreite
u. der kirchl. Autorität z.T. ablehnend gegenüberstehende allg.
Geistesbildung u. stellte den Menschen in den Mittelpunkt.
Hauptvertr. in Italien: Petrarca, Poggio, Pico della Mirandola;
in den Niederlanden u. in Dtl.: Reuchlin, Erasmus von Rotterdam,
Melanchthon. ] (ab 1500) in den Geist der Reformation [durch
Luther ausgelöste relig. Umgestaltung im 16. Jh., die zur
Aufspaltung der abendländ. Kirche u. zur Bildung des
Protestantismus führte. Zahlr. innerkirchl. Mißstände, Überbetonung
u. Veräußerlichung von relig. Bräuchen forderten zur Kritik
heraus. Papsttum u. Ablaßhandel wurden angegriffen, die Hl.
Schrift als einzige Glaubensquelle anerkannt. Bed. Begriffe der
neuen Lehre waren Gnade u. Rechtfertigung. In Dtl. begann die R.
1517 mit M. Luther, in der Schweiz mit Zwingli (1519). In Genf
entstand ab 1536 eine neue R.bewegung durch J. Calvin, in England
durch Heinrich VIII. die anglikan. Staatskirche (1534). Mit dem
Augsburger Religionsfrieden hatte sich die R. behauptet. ] (1517)
über (Cranach, Dürer); 2) Literatur: Träger des neuen Geistes
waren insb. Petrarca, Boccaccio u. Ariost. In Castigliones Der Höfling
spiegelt sich das Gesellschaftsideal der Zeit; die
Geschichtsschreibung wurde psychol. vertieft, die Theorie der
Politik an der polit. Wirklichkeit orientiert (Machiavelli); die
Naturforschung machte dank der neuen, experimentellen Methode
bedeutende Fortschritte; in den Literaturen außerhalb Italiens
verkörpern v.a. die Werke von Rabelais, Montaigne, Ronsard,
Cervantes u. Shakespeare den Geist der R. (Humanismus) [(nlat.),
eine von der klass. u. christl. Antike geprägte
Lebensanschauung, die vom 14.-16. Jh. in den Kreisen der
Gelehrten vorherrschte; vertrat eine von der Tradition befreite
u. der kirchl. Autorität z.T. ablehnend gegenüberstehende allg.
Geistesbildung u. stellte den Menschen in den Mittelpunkt.
Hauptvertr. in Italien: Petrarca, Poggio, Pico della Mirandola;
in den Niederlanden u. in Dtl.: Reuchlin, Erasmus von Rotterdam,
Melanchthon.];
3) Musik: musikhist. ist der Begriff R. nicht völlig geklärt;
am besten zu fassen als Musik um 1500 mit ihrem Gleichgewicht von
Melodie, Harmonik u. Klang: a-cappella-Polyphonie der Niederländer
Josquin Desprez, Willaert u.a.; Hauptformen: Messe, Motette,
Chanson, Lied, Madrigal; von da aus Entwicklung zu weiteren Höhepunkten
bei Orlando di Lasso u. Palestrina; eine eigtl. Schöpfung der R.
ist die Instrumentalmusik: Laute, Tasteninstrumente u. Orchester
(Sonate, Kanzone); von der R. aus Entwicklung zur Monodie (um
1600) u. den aus ihr erwachsenden barocken Formen (Oper, Kantate
u.a.).
-Monodie: (gr.), um 1600 entstandene mus. Satztechnik aus solist.
Einzelstimme u. Generalbaß[(ital. = basso continuo),
Kompositions- u. Aufführungsprinzip zw. 1600 u. 1750. Die Baßstimme
einer Komposition wird durch Akkorde, die als Zahlen notiert
sind, ergänzt. G.-Instrumente sind Cembalo, Orgel, Laute,
Theorbe u.a. - G.zeit musikgesch. Epoche (etwa 1600-1750), Musik
des Barock..
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1) bildende Kunst:
B. bedeutet urspr. Schwulst u. Überladung;
seit der Mitte des 19. Jh.s wird der Name zur Stilbezeichnung; während
in Architektur, Malerei u. Kunstgewerbe der Renaissance das
einzelne Formelement sich zwanglos u. harmonisch in den
Gesamtzusammenhang fügt, wird es im B. strenger u. unter
weitgehendem Verlust dieser Eigenart einem grandiosen
Gesamteindruck untergeordnet. Das B. ist in Rom entstanden; als
seine Väter darf man Michelangelo, Correggio, Tintoretto
ansprechen;
in Frkr. überwiegen klass. Elemente.
Architektur:
Hauptaufgabe ist die umfangreiche Raumgestaltung; die Baukunst nördl.
der Alpen gelangt zu freier Räumeverschmelzung.
In Italien sind außer Vignola u. Bernini in Rom Tessiner
Architekten führend (Fontana, Maderno, Borromini u.a.);
nördl. der Alpen beginnt die B.architektur mit dem Dom von
Passau u. erreicht Höhepunkte in den Bauten der Fischer von
Erlach, J.L. von Hildebrandt u. Balthasar Neumann, ferner Schlüter
in Berlin u. Pöppelmann in Dresden (Zwinger);
in Frkr. als unerreichte Vorbilder Louvre u. Versailles. Die
letzte Phase des B., das Rokoko, wird vielfach als selbständiger
Stil aufgefaßt. Skulptur: ital. Hauptvertr. sind Bernini u.
Algardi, in Östr. Donner, in Frkr. Puget. Malerei: ital.
Hauptvertr. sind die Carracci, Caravaggio u. Pietro da Cortona,
letzter großer Meister Tiepolo; in Dtl. Deckenmalereien der
Asam, Günther, Zick u.a.; die Franzosen Poussin u. Claude
Lorrain sind Klassiker, Lebrun klassizist. Eklektiker u.
Akademieleiter; in Spanien Greco, Ribera, Velázquez, Murillo,
Zurbarán; gegensätzl. sind der Flame Rubens u. der Holländer
Rembrandt. Kunstgewerbe: Prunkmöbel, Fayence, Porzellan,
Gobelins;
2) lit.:
von Spanien ausgehende
Hochblüte der Ritterdichtung (Amadisroman); bed. Roman des
Barock: Don Quijote von Cervantes; in Dtl. Simplicissimus von
Grimmelshausen; in der Lyrik neben schlichtem, verinnerlichtem
der geschraubte Ausdruck: Gongorismus in Spanien, Marinismus in
Italien, Précieuses in Frkr., Schwulst in Dtl.; Theater: mit
Ausnahme von Frkr. durch Gegenreformation geprägt (relig.
Schauspiele, Heiligendramen); Hauptvertr.: Calderón; Steigerung
der Bühneneffekte (Feuerwerk, Ballett u.a.);
3) mus.:
Musik der Generalbaßzeit
(etwa 1600-1750); Verbindung von vokaler u. instrumentaler
Kompositionsweise, Streben nach Affektdarstellung; Entstehung der
Gattungen Oper, Oratorium, Kantate, Sonate, Suite u. Konzert;
bed. Komponisten: Monteverdi, Frescobaldi, Vivaldi, Bach, Händel,
Couperin.
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