“Du bist mächtig in Ewigkeit, Herr, der die Toten lebendig macht
und die Treue hält denen, die im Staub schlafen.
Der tötet und lebendig macht und das Heil ersprießen lässt.
Getreu bist du, die Toten wieder zu beleben.
Gepriesen seist du, der die Toten lebendig macht.”
Dreimal am Tag betet jeder fromme Jude dieses Gebet.
Am Todestag ihres Rabbis (jüdischer Lehrer) tanzen dessen Schüler um sein Grab
– aus Freude darüber, dass er “heimgekehrt ist”.
Ein Ausdruck, den auch ich bei der Trauerfeier auf dem Friedhof gebrauche, der meint:
“Er ist in Gottes Welt gegangen”.

Die
Hoffnung über den Tod hinaus ist fest im jüdischen Glauben verankert
und schenkt auch uns Christen einen neuen Blick auf unser
vergängliches Leben.
Auch das Foto auf unseren Gemein- denachrichten lenkt unseren Blick
hinter den Grabstein. Der harte Stein wird durch das Kreuz durchbrochen.
Lebensspuren zeigen sich hinter dem Kreuz.
Ich stehe oft an Grabsteinen, die nicht so durchlässig sind wie im Bild.
Unzählige Tränen werden vergossen, Fragen nach dem “Warum”, aber auch die Einsicht: “Mutti und Vati sind erlöst”.
Unser
Grabstein öffnet für das Hintergründige und es ist nicht von ungefähr,
dass uns das Kreuz diese Sicht ermöglicht. Vordergründig ist im Leben
meist die Erfahrung von Zweifel und Not, Krankheit und Tod, aber durch
das Kreuz Jesu schaue ich weiter, wird auch das Schwere in meinem Leben
durchlässig für die Ewigkeit Gottes. Im Kreuz kommt es zur Begegnung
von Göttlichem und Menschlichem, öffnet sich meine enge Sicht auf die
Dinge in den weiten Horizont Gottes hinein.
Paulus bringt diese Erkenntnis wunderbar auf den Punkt:
“Gott,
der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen
hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die
Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu
Christi. Wir haben einen Schatz in irdenen Gefäßen, … Wir sind von
allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange,
aber wir verzagen nicht. … Denn wir, die wir leben, werden immerdar in
den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar
werde an unserm sterblichen Fleisch.” (2.Korinther 4, 6-8.11)
In dieser Gewissheit und von Herzen grüßt Sie Pfarrer Frank Hadlich