L i e b e G e m e i n d e !
Aus
meinem Urlaub aus Südtirol habe ich ihnen das Bild mitgebracht, das
ihnen einen Blick ins Similaungebiet gewährt. Hoch oben am Tisenjoch
(3.210 m) wurde 1991 der berühmte Mann aus dem Eis "Ötzi" gefunden.
Untersuchungen
an der Gletscherleiche ergaben, dass es sich hier um einen ca.
46-jährigen Mann aus dem Vinschgau handelt, der vor über 5.300 Jahren
ums Leben kam. Heute noch ist die Stelle Hirten als Transit Route
bekannt, auf der die Schafherden vom Vinschgau zu den Ötztaler Weiden
getrieben werden.

Es ist eine großartige Landschaft, hohe Berge, fruchtbare Hochalmen und
immer wieder ein wunderbarer Talblick – hier nach Vernagt zum künstlich
angelegten Stausee. Mich hat das Schicksal jenes Menschen, der vor
5.300 Jahren im Frühsommer über das Tisenjoch wanderte und dabei zu
Tode kam auf meinen Wanderungen nicht losgelassen. Er war für seine
Zeit ausgezeichnet ausgerüstet, zum Beispiel seine Schuhe aus einer
Bärenledersohle, einem Oberteil von Hirschleder und einem wärmenden
Innenfutter aus Heu! Er war ein bergerfahrener Mann, er trug einen
Rucksack, dessen Gestell erhalten ist und ein Gefäß aus Birkenrinde,
indem er einen kleinen Glutrest vom Lagerfeuer mit sich trug. Vor über
5.300 Jahren lebte "Ötzi" – kaum vorstellbar. Die ersten Pyramiden in
Gizeh entstanden um 2.600 vor Christus. Die Erzväter Israels (Abraham,
Isaak, Jakob) lebten so um 2.000 Jahre vor Christus, erst in dieser
Zeit entstand der Glaube an Jahwe, den Einen Gott Israels! Diese
Zeiträume machen mich ganz schwindelig. Nüchterne Realität ist, das
Wesen des Menschen bleibt unergründlich: einerseits genial erweitert er
seinen Lebensraum und vermehrt sein Wissen, anderseits zerstört er
Leben. Auch der Mann aus dem Eis ist nicht an Entkräftung gestorben,
sondern verblutete durch eine in die linke Schulter eingedrungene
Pfeilspitze. Ein Kampf um Leben und Tod vollzog sich nahe am Tisenjoch
– so jedenfalls sagen es die Kriminologen, die die Gletscherleiche
untersuchten – "Ötzi" war also ermordet worden. Warum? Das wird wohl im
Dunkeln bleiben, auch wenn Schnee und Eis zurückwichen und Licht in das
Leben eines 5.300 Jahre alten "Südtirolers" ließen. Übrigens - wer
"Ötzi" sehen will, muss sich nach Bozen aufmachen, er liegt dort
tiefgekühlt im Südtiroler Archäologiemuseum. Aber meiden sie das
Tisenjoch
– man weiß ja nie!
Ihr Pfarrer Frank Hadlich-Theml