aus: Gemeindenachrichten "Der Stab" August/ September 2010


L i e b e G e m e i n d e !
Aus meinem Urlaub aus Südtirol habe ich ihnen das Bild mitgebracht, das ihnen einen Blick ins Similaungebiet gewährt. Hoch oben am Tisenjoch (3.210 m) wurde 1991 der berühmte Mann aus dem Eis "Ötzi" gefunden.
Untersuchungen an der Gletscherleiche ergaben, dass es sich hier um einen ca. 46-jährigen Mann aus dem Vinschgau handelt, der vor über 5.300 Jahren ums Leben kam. Heute noch ist die Stelle Hirten als Transit Route bekannt, auf der die Schafherden vom Vinschgau zu den Ötztaler Weiden getrieben werden.Südtirol, Similaungebiet Es ist eine großartige Landschaft, hohe Berge, fruchtbare Hochalmen und immer wieder ein wunderbarer Talblick – hier nach Vernagt zum künstlich angelegten Stausee. Mich hat das Schicksal jenes Menschen, der vor 5.300 Jahren im Frühsommer über das Tisenjoch wanderte und dabei zu Tode kam auf meinen Wanderungen nicht losgelassen. Er war für seine Zeit ausgezeichnet ausgerüstet, zum Beispiel seine Schuhe aus einer Bärenledersohle, einem Oberteil von Hirschleder und einem wärmenden Innenfutter aus Heu! Er war ein bergerfahrener Mann, er trug einen Rucksack, dessen Gestell erhalten ist und ein Gefäß aus Birkenrinde, indem er einen kleinen Glutrest vom Lagerfeuer mit sich trug. Vor über 5.300 Jahren lebte "Ötzi" – kaum vorstellbar. Die ersten Pyramiden in Gizeh entstanden um 2.600 vor Christus. Die Erzväter Israels (Abraham, Isaak, Jakob) lebten so um 2.000 Jahre vor Christus, erst in dieser Zeit entstand der Glaube an Jahwe, den Einen Gott Israels! Diese Zeiträume machen mich ganz schwindelig. Nüchterne Realität ist, das Wesen des Menschen bleibt unergründlich: einerseits genial erweitert er seinen Lebensraum und vermehrt sein Wissen, anderseits zerstört er Leben. Auch der Mann aus dem Eis ist nicht an Entkräftung gestorben, sondern verblutete durch eine in die linke Schulter eingedrungene Pfeilspitze. Ein Kampf um Leben und Tod vollzog sich nahe am Tisenjoch – so jedenfalls sagen es die Kriminologen, die die Gletscherleiche untersuchten – "Ötzi" war also ermordet worden. Warum? Das wird wohl im Dunkeln bleiben, auch wenn Schnee und Eis zurückwichen und Licht in das Leben eines 5.300 Jahre alten "Südtirolers" ließen. Übrigens - wer "Ötzi" sehen will, muss sich nach Bozen aufmachen, er liegt dort tiefgekühlt im Südtiroler Archäologiemuseum. Aber meiden sie das Tisenjoch
– man weiß ja nie!
Ihr Pfarrer Frank Hadlich-Theml
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