Sie
werden mir sicher zustimmen, dass das Gebäude des ehemaligen
Waisenhauses am Goethering in Marienberg aus architektonischer und
städtebaulicher Sicht prägend ist. Ich bin aber der Meinung, dass
dieses Gebäude mit seiner Geschichte auch in geistig -kultureller Sicht
prägend für unsere Stadt ist, weil es - wie andere Einrichtungen auch -
Einfluss darauf nimmt, wie in einem Gemeinwesen miteinander umgegangen
wird.

Vielleicht ist es Zufall, dass sich in einer Entfernung von einem Steinwurf von der
St.
Marienkirche die ehemalige Lateinschule samt Lutherstift, später die
Bürgerschule (das heutige Gymnasium), das Bergamt, und eben auch seit
1882 das Waisenhaus befanden bzw. befinden.
Die geistliche Basis des
Waisenhaus (früher in der "Freiberger Gasse") erkennen wir bei Johann
Ehrenfried Wagner in seiner unter dem 17. September 1772 verfassten
„Beschreibung der Marienberger Theuerung in den Jahren 1771. und 72 mit den von Gott dagegen angewiesenen Mitteln." : „Im
Vertrauen auf ihm, und zwar im Vertrauen auf ihm alleine, jedoch ohne
Vermessenheit, ohne Ruhmsucht, ohne ihm vorzulaufen, sondern nur den
Spuren seiner Vorsicht nachzugehen ist dieses Werk gewagt worden. Es
ist seine, er fördre es um sein selbst willen!"
Das ehemalige Waisenhaus ist heute wieder im Besitz der
Waisenhaus-
samt Carolinen-stiftung Marienberg, einer der größten kirchlichen
Stiftungen Sachsens. Es ist eigentlich das Herz der Stiftung.
In der
DDR wurde die Waisenhausstiftung enteignet. Nach der politischen Wende
konnte sie wieder aktiviert werden, und die Liegenschaften bzw. Gebäude
des ehemaligen Stif-tungseigentums wurden zurückgeführt bzw.
entschädigt. Das „Herz“ allerdings schlug in den vergangenen Jahren
nicht mehr, das Waisenhaus war fast dem Verfall
preisgegeben. Ab August diesen Jahres schlägt es wieder!
Im
Erdgeschoss zieht unsere Zukunft ein, die Kinder der
Kinderbetreuungseinrichtung der AWO Erzgebirge. Im 1. OG wird das
Diakonische Werk ein komplettes Beratungszentrum für die Bürger des
Kirchenbezirks Marienberg einrichten. Und im Dachgeschoss - mit
fantastischer Sicht auf Dörfel und Goldkindstein - findet eine
Außenwohngruppe der Sozialtherapeutischen Wohnstätte der Diakonie ihre
Heimat. Kranke, schwache Glieder unserer Gesellschaft beziehen die
"schönsten" Wohnungen der Stadt!
Der neu gestaltete Park ist der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich.
Insgesamt
wird damit ein Nutzungskonzept im Sinne des Waisenhausgründers Johann
Ehrenfried Wagner für die heutige Zeit umgesetzt.
Dem jetzigen
Vorstand der Waisenhausstiftung ist es wichtig, dass Kirchgemeinde und
Waisenhausstiftung weiter zusammen rücken. Wir haben in der Satzung neu
geregelt, dass immer ein Pfarrer von Marienberg Vorsitzender der
Stiftung sein wird. Und uns ist
es wichtig, dass die Wieder- weihe des Waisenhauses in einem Gottesdienst in der
St. Marienkirche erfolgt.
Wir bedanken uns beim Kirchenvorstand, dass uns dafür der
Gottesdienst zum Kirchweihfest, am 4. September 2011 zur Verfügung gestellt wurde.
Herzlich laden wir Sie dazu ein.
Werner Wittig, stellv. Vorsitzender der Waisenhausstiftung