aus: Gemeindenachrichten "Der Stab" August/ September 2011


L i e b e  G e m e i n d e !

Sie werden mir sicher zustimmen, dass das Gebäude des ehemaligen Waisenhauses am Goethering in Marienberg aus architektonischer und städtebaulicher Sicht prägend ist. Ich bin aber der Meinung, dass dieses Gebäude mit seiner Geschichte auch in geistig -kultureller Sicht prägend für unsere Stadt ist, weil es - wie andere Einrichtungen auch - Einfluss darauf nimmt, wie in einem Gemeinwesen miteinander umgegangen wird.Waisenhaus Marienberg 2011
Vielleicht ist es Zufall, dass sich in einer Entfernung von einem Steinwurf von der
St. Marienkirche die ehemalige Lateinschule samt Lutherstift, später die Bürgerschule (das heutige Gymnasium), das Bergamt, und eben auch seit 1882 das Waisenhaus befanden bzw. befinden.
Die geistliche Basis des Waisenhaus (früher in der "Freiberger Gasse") erkennen wir bei Johann Ehrenfried Wagner in seiner unter dem 17. September 1772 verfassten
„Beschreibung der Marienberger Theuerung in den Jahren 1771. und 72 mit den von Gott dagegen angewiesenen Mitteln." :
 
„Im Vertrauen auf ihm, und zwar im Vertrauen auf ihm alleine, jedoch ohne Vermessenheit, ohne Ruhmsucht, ohne ihm vorzulaufen, sondern nur den Spuren seiner Vorsicht nachzugehen ist dieses Werk gewagt worden. Es ist seine, er fördre es um sein selbst willen!"
 
Das ehemalige Waisenhaus ist heute wieder im Besitz der
Waisenhaus- samt Carolinen-stiftung Marienberg, einer der größten kirchlichen Stiftungen Sachsens. Es ist eigentlich das Herz der Stiftung.
In der DDR wurde die Waisenhausstiftung enteignet. Nach der politischen Wende konnte sie wieder aktiviert werden, und die Liegenschaften bzw. Gebäude des ehemaligen Stif-tungseigentums wurden zurückgeführt bzw. entschädigt. Das „Herz“ allerdings schlug in den vergangenen Jahren nicht mehr, das Waisenhaus war fast dem Verfall preisgegeben.   Ab August diesen Jahres schlägt es wieder!
Im Erdgeschoss zieht unsere Zukunft ein, die Kinder der Kinderbetreuungseinrichtung der AWO Erzgebirge. Im 1. OG wird das Diakonische Werk ein komplettes Beratungszentrum für die Bürger des Kirchenbezirks Marienberg einrichten. Und im Dachgeschoss - mit fantastischer Sicht auf Dörfel und Goldkindstein - findet eine Außenwohngruppe der Sozialtherapeutischen Wohnstätte der Diakonie ihre Heimat. Kranke, schwache Glieder unserer Gesellschaft beziehen die "schönsten" Wohnungen der Stadt!
Der neu gestaltete Park ist der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich.
Insgesamt wird damit ein Nutzungskonzept im Sinne des Waisenhausgründers Johann Ehrenfried Wagner für die heutige Zeit umgesetzt.

Dem jetzigen Vorstand der Waisenhausstiftung ist es wichtig, dass Kirchgemeinde und Waisenhausstiftung weiter zusammen rücken. Wir haben in der Satzung neu geregelt, dass immer ein Pfarrer von Marienberg Vorsitzender der Stiftung sein wird. Und uns ist
es wichtig, dass die Wieder- weihe des Waisenhauses in einem Gottesdienst in der
St. Marienkirche erfolgt.

Wir bedanken uns beim Kirchenvorstand, dass uns dafür der Gottesdienst zum Kirchweihfest, am 4. September 2011 zur Verfügung gestellt wurde.
Herzlich laden wir Sie dazu ein.            

 Werner Wittig, stellv. Vorsitzender der Waisenhausstiftung  


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