L i e b e G e m e i n d e !
Zugegeben: Es ist nicht leicht zu entziffern, was da in schwungvollen Buchstaben auf dem Hintergrund ineinander fließender
Farben geschrieben steht – die Jahreslosung für 2011. Die in Japan
geborene Künstlerin Yuriko Ashino hat sich mit dem anregenden Vers aus
dem Römerbrief auseinandergesetzt – wie man es ihrer aufregenden Kalligrafie ansehen kann.
Eins
wird sofort deutlich: Sie betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei, wie man
es bei dem Thema „Gut – Böse“ ja auch vermuten könnte. Hier sind die
Grenzen vielmehr fließend und verwischen zum Teil. Ganz im Sinne
von Paulus, der nicht einfach den Teufel an die Wand malt und mit dem
Finger darauf zeigt, sondern an vielen Stellen ehrlich davon spricht,
wie schwer es schon ist, seinen eigenen „inneren Schweinehund“ zu
überwinden.
Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Sind die
Grenzen zwischen Gut und Böse nicht ziemlich verschwommen? George W.
Bush hat nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 („Nine eleven“
jährt sich 2011 zum zehnten Mal) ziemlich rasch die Welt in gut
und böse eingeteilt, indem er von der „Achse des Bösen“ sprach – mit
den uns bekannten, verheerenden Folgen.
Wie kann das gelingen:
Böses mit Gutem überwinden? Mit Kampf oder Kontemplation? Das
Kriegsbeil ausgraben oder eine Sache aussitzen? Das wird immer wieder
neu zu durchdenken sein in diesem Jahr 2011 – sowohl im politischen wie
auch im privaten Bereich. Böses wird uns in den kommenden Monaten
gewiss nicht ganz erspart bleiben; Gott aber traut es uns zu, gut damit
umzugehen – künstlerisch beinahe; ohne Schwarz-Weiß-Malerei: mit ein wenig Mühe, das Verschwommene zu entziffern.
Geduld und Gottes Segen wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Volkmar Freier
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