aus: Gemeindenachrichten "Der Stab" Februar/ März 2012


Lieber Leser unserer Kirchgemeindenachrichten, YurikoAshino- Jahreslosung 2012

Das Leitbild unserer Kirchennachrichten ist quasi das Leitwort für das neu begonnene Jahr des Herrn 2012.
Hervorgehoben lesen wir die Worte: Meine Kraft.
Ja, die vor uns liegenden Tage werden uns Kraft kosten und mancher unter uns wird bis an seine körperliche und seelische Grenze belastet werden. Auch im Blick auf unsere Welt stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen. Manchmal denke ich: Kann meine kleine Kraft überhaupt etwas bewirken und Habgier, Lüge und die Zerstörung natürlicher Ressourcen aufhalten? Ich fühle mich dieser Aufgabe gegenüber eher ohnmächtig.
Aber halt mal, in dem Leitwort heißt es doch:
Jesus spricht, meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.   Es geht also gar nicht um meine Kraft! Jesus spricht indirekt von meiner Schwachheit, von meiner Ohnmacht und Leere, von meinem Mangel und Bedürfnis nach Lebenskraft.
   Da fallen mir Worte der Theologin Dorothee Sölle ein, die sinngemäß davon spricht, dass Religiösität und Glaube aus der Erfahrung des Mangels, der Schwäche geboren werden.
Weiter sagt sie, dass die größte Vollkommenheit des Menschen sein tiefster Mangel ist: Gott zu bedürfen. Gerade der wachsende Wunsch nach erfülltem Leben, nach Heil, nach der Nähe Gottes wird aus der Schwachheit geboren. Ein uns bekanntes Sprichwort drückt das einfacher aus: Not lehrt beten! 
Ich formuliere mal etwas provokativ: Die wertvollste Eigenschaft des Menschen ist seine Unzufriedenheit, denn aus ihr resultiert sein Streben nach Verbesserung. Aber auch seine Hinwendung zu dem, der sagt: 
"Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Joh. 14,27).
 Jesu Wertschätzung und Tröstung, die der Völkerapostel Paulus mit dem Wort der Jahreslosung erfährt,  gilt jedem von Schwäche und Krankheit gezeichneten Geschöpf Gottes. Wenn Paulus  in dieser Sache dreimal zu Gott fleht, so lasst auch uns unsere Hände falten und beten.  Es gilt Jesu Wort:
"Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." (2.Kor.12,9)
 Dieses Wort macht Mut, zu dem zu stehen, was ich von Natur aus bin – ein Mängelwesen, das Schwäche und Kraftlosigkeit kennt, sich aber gerade darin nicht schämt: Gottes zu bedürfen.
Eine gesegnete Zeit – Ihr Pfarrer Frank Hadlich-Theml


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