Lieber Leser unserer Kirchgemeindenachrichten,

Das Leitbild unserer Kirchennachrichten ist quasi das Leitwort für das neu begonnene Jahr des Herrn 2012.
Hervorgehoben lesen wir die Worte:
Meine Kraft.
Ja,
die vor uns liegenden Tage werden uns Kraft kosten und mancher unter
uns wird bis an seine körperliche und seelische Grenze belastet werden.
Auch im Blick auf unsere Welt stehen wir vor gewaltigen
Herausforderungen. Manchmal denke ich: Kann meine kleine Kraft
überhaupt etwas bewirken und Habgier, Lüge und die Zerstörung
natürlicher Ressourcen aufhalten? Ich fühle mich dieser
Aufgabe gegenüber eher ohnmächtig.
Aber halt mal, in dem Leitwort heißt es doch:
Jesus spricht, meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Es geht also gar nicht um meine Kraft! Jesus spricht indirekt von
meiner Schwachheit, von meiner Ohnmacht und Leere, von meinem Mangel
und Bedürfnis nach Lebenskraft.
Da fallen mir
Worte der Theologin Dorothee Sölle ein, die sinngemäß davon spricht,
dass Religiösität und Glaube aus der Erfahrung des Mangels, der
Schwäche geboren werden.
Weiter sagt sie, dass die größte
Vollkommenheit des Menschen sein tiefster Mangel ist: Gott zu bedürfen.
Gerade der wachsende Wunsch nach erfülltem Leben, nach Heil, nach der
Nähe Gottes wird aus der Schwachheit geboren. Ein uns bekanntes
Sprichwort drückt das einfacher aus: Not lehrt beten!
Ich
formuliere mal etwas provokativ: Die wertvollste Eigenschaft des
Menschen ist seine Unzufriedenheit, denn aus ihr resultiert sein
Streben nach Verbesserung. Aber auch seine Hinwendung zu dem, der
sagt:
"
Den Frieden lasse
ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die
Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht."
(Joh. 14,27).
Jesu
Wertschätzung und Tröstung, die der Völkerapostel Paulus mit dem Wort
der Jahreslosung erfährt, gilt jedem von Schwäche und Krankheit
gezeichneten Geschöpf Gottes. Wenn Paulus in dieser Sache dreimal
zu Gott fleht, so lasst auch uns unsere Hände falten und beten.
Es gilt Jesu Wort:
"
Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." (2.Kor.12,9)
Dieses
Wort macht Mut, zu dem zu stehen, was ich von Natur aus bin – ein
Mängelwesen, das Schwäche und Kraftlosigkeit kennt, sich aber gerade
darin nicht schämt: Gottes zu bedürfen.
Eine gesegnete Zeit – Ihr Pfarrer Frank Hadlich-Theml